Speyer hat wieder eine Bohnenkönigin: Die junge fasnachtliche Majestät heißt Jenny und stammt aus dem Hause Galling. Die bisherige Fasnachtskönigin Britta aus dem Hause Hecht krönte am vergangenen Sonntag ihre Nachfolgerin während eines königlichen Festmahls im Naturfreundehaus zur Herrscherin über alle Speyerer Bohnen. Foto: Bohnenkönigin Jenny Galling mit Prinzgemahl Michael Altmann.
Damit knüpfte die Fasnachtsinititive "Großer Bär" Speyer an eine uralte närrische Tradition an, die in der pfälzischen Domstadt seit dem frühen 16. Jahrhundert dokumentiert ist. Zwar ist für Speyer bislang keine Bohnenkönigin aus alten Zeiten bekannt, aber es gab, wie historische Schriften überliefern, nicht nur gekrönte Männer, sondern auch mit bohnenköniglichen Würden ausgestatte Frauen, ja sogar Kinderkönige und Kinderköniginnen. Der Brauch des Bohnenkönigtums ist vor allem noch in Frankreich weit verbreitet. In Deutschland, in den Niederlanden und in England ist diese Tradition, die mit dem Dreikönigstag verbunden ist, beinahe gänzlich untergegangen. Nur Speyer gehört zu den wenigen Orten in Deutschland, in denen Bohnenkönigreiche noch gefeiert werden. Beispielsweise war Johann Baptist Schraudolph, von dem die Fresken im Dom stammen, anno 1860 Bohnenkönig und das Garde Corps "Rot/Weiß" Speyer wurde von 1957 bis Dreikönig 2007 von Bohnenkönigen und bis in den Herbst des selben Jahres von Bohnenkönigin Jutta aus dem Hause Hinterberger repräsentiert. Mit ihrer 15-jährigen Majestät - Schülerin an der Realschule Plus in Haßloch - bereichert die Fasnachtsinitiative "Großer Bär" nicht nur den bohnenköniglichen Brauch in der Kaiserstadt am Rhein, sie will mit Jenny vor allem eine Tradition mit Bohnenköniginnen in Speyer begründen. War es einst üblich, dass Mädchen oder Frauen Königinnen wurden, die in einem Stück Königskuchen oder in einem Krapfen eine weiße Bohne fanden, so nahm Jenny nach Absprache auf den Bohnenthron Platz. Die Verbindung zur weißen Bohne wird mit einem Bohnenorden hergestellt. Der Gründer der Initiative, Bernhard Bumb, überreichte Jenny einen Orden, der aus einem kleinen, durchsichtigen Säckchen, gefüllt mit Münzen, Glücksschweinchen und weißen Bohnen, und einer silbernen Kette besteht. Von Alters her bedeuten die Münzen, dass Jenny nie arm sein soll, die Schweinchen, dass Jenny stets Glück haben soll und die Bohnen sollen der Regentin eine immerwährende Fruchtbarkeit garantieren. Außer einer Bohne hatte man einst auch Münzen und Schweinchen als Glücksbringer in die Königskuchen eingebacken. Jennys Amtszeit endet am 8. Januar 2011. Dass sie bis dahin das Königreich des Großen Bären gerecht regieren kann, dafür bekam sie ein Zepter überreicht, auf dem ein kleiner Teddybär thront. Angemeldet hat sich der "GroßeBär" mit seiner Königin für den Brezelfestumzug, angedacht ist die Teilnahme am Siedlerfestumzug, am 6. November eröffnen der "Große Bär" und Jenny die Kampagne 2010/11 mit einem närrischen Martinsgansessen und am 8. Januar 2011 krönt Jenny ihre Nachfolgerin - wiederum bei einem königlichen Festschmaus. (spa/Foto:sim)
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