Von Harald Stein Für vier Konzerte flogen Sie über den großen Teich. In Mannheim setzen Sie, dank des örtlichen Veranstalters "BB-Promotion" (www.bb-promotion.de) zur Landung an. Ein lauter Knall, Flammen, Nebelschwaden. Die Rockband Nickelback macht den Auftakt in der fast ausverkauften SAP Arena. Foto: Chad Kroeger ließ mit Nickelback die Halle erzittern.
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Die vier Kanadier setzen auf Pyrotechnik, laut und heiß, vom ersten Song "Siym" an, mit einem Donnerschlag, der die ganze Halle erzittern lässt. Die Rockmusik liebt die grellen Effekte und die monströs aufwändigen Einlagen, die billigen Überraschungseffekte und die mit vielen Sattelschleppern herbeigezauberten Jahrmarktsattraktionen. Die Videoshow, die im Hintergrund auf einer Leinwand abläuft, ist ganz in extremen Kontrasten gehalten: Kühles Blau, heißes Rot und grelles Grün. Endlose Autofahrten auf endlosen Highways flackern vorüber und Nickelback gibt Gas. Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Keine Stadion-Rock-Geste wird ausgespart. Die gereckte Faust und meterhohe Flammen aus dem Bühnenboden bei den Rockstücken. Sentimentale Jugendbild-Projektionen und eine in rosa Licht getauchte Band bei "Photograph". Sänger Chad Kroeger schafft eine Nähe zu den Fans, die schon immer die Bodenständigkeit der Band aus Kanada zu schätzen wussten. Man spürt, die Rockgrößen machen Musik für ihr restlos begeistertes Publikum. Bei "If Anyone Cared" werden die Kanadier politisch und blenden rührige Bilder zur Entstehung der Organisation Amnesty International ein. Chad Kroeger selbst, der die Band mit seinem Bruder, dem Bassisten Mike Kroeger, gründete, ist gut aufgelegt. Er spurtet über die Bühne, brüllt ins Mikrofon, läuft an den Bühnenrand, reißt seine Gitarre an und lässt sie gellend aufschreien. Einmal stehen Chad und Peake am Bühnenrand und liefern sich ein Duell auf ihren lauten und verzerrten Instrumenten. Der Frontmann ist auch in Plauderlaune und schleudert manchen Spruch in die Menge. Vor etwas mehr als zehn Jahren war er noch ein kleiner Geldherausgeber in einem Cafe in Vancouver. "Here you have your Nickel back", war sein tausendmal am Tag wiederholter Spruch, wenn der Kunde zahlte. So schnell kann's gehen, wenn man einen Welthit hat wie Nickelback. "How You Remind Me" war eine kommerzielle Explosion und hat genau das, was einem auch an diesem Abend unter die Haut gehen muss. Süffige Eingängigkeit und die von der Gitarre mit dumpfem Dröhnen unterfütterte Beschleunigung im Refrain, das Euphorische, das in diesem Geschäft unwiderstehlich sein kann. Genial ausgesteuert und fantastisch gespielt. Der Titel ist kurz vor Ende der Show wieder mal ihr Höhepunkt. Naturgemäß. Sie haben damit ihren Stil geprägt, sich in Millionen Hirne eingeprägt. Eigentlich sagt man, das Schlimmste, was einer Rockband passieren kann, ist ein internationaler Single-Hit. Nickelback ist angetreten, um das Gegenteil zu beweisen. Nicht nur "How You Remind Me" von "Silver Side Up", sondern auch der Nachfolger "Someday" waren weltweite Erfolge. Doch von ihrer Glaubwürdigkeit hat die Band nichts eingebüßt, sie sind ganz einfach ihrem Anspruch an ihre eigene Musik treu geblieben. Der Musikstil der Band ist bei Hard Rock beziehungsweise den Unterformen Alternative Rock und Post Grunge einzustufen, jedoch lassen die Songs auch durchaus Einschläge von Heavy Metal anklingen. Nach zwei Zugaben haben die Kanadier alles gegeben und verabschieden sich mit Nebelschwaden und Feuerwerk. Wer heute diesen ehrlichen Rock versäumt hat, kann sich am 29. Januar in Oberhausen, am 30. Oktober in München oder am 1. Februar 2011 in Hamburg beschallen lassen. (Fotos: Harald Stein)
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