Manchmal sieht man ihn mit der geschulterten Kamera bei öffentlichen Veranstaltungen gelassen seine Interviews führen, Wolfgang Schuch (60) aus Speyer, der den "Offenen Kanal" leitet, selber Filme wie die "Speyer'mer Leut" dreht und Kindern und Erwachsenen das Filmemachen zeigt. Die erste "Medienwoche für Kids" organisierte er bereits vor 20 Jahren, als noch in keinem Kinderzimmer ein PC stand und auch die wenigsten Eltern mit dem damaligen "Commodore" hätten umgehen können.
Wolfgang Schuch aber wusste, "wo der Strom fließt", hatte er doch nicht nur Naturwissenschaften studiert, sondern später auch noch Sozialpädagogik, mit dem Schwerpunkt "Medienarbeit". Bereits als Referent beim Pfadfinderverband trug er auf den Wanderungen eine Videokamera im Gepäck und drehte mit den jungen Pfadfindern kleine Filme, die dann gemeinsam am PC bearbeitet wurden. "Damals war die Medienpädagogik eher eine Verhinderungspädagogik", sagt er. "Es ging nicht darum, Kinder an die Medien heranzuführen, sondern sie vor Film, Fernsehen und den aufkommenden Videospielen zu schützen." Als er kürzlich einen Beitrag für den Offenen Kanal über den Pfälzer Comic-Stammtisch verfasste, erinnerte er sich wieder an die "Aktionen gegen Schund und Schmutz" in den 1950er Jahren, wo bei den Pfadfindern - ganz und gar nicht zu deren Vergnügen - die geliebten Comic-Hefte öffentlich verbrannt wurden. "Diese Grundhaltung findet sich oft genug auch noch heute", meint er. Was ihn antreibt, seit 20 Jahren ehrenamtlich für den Offenen Kanal zu arbeiten und dabei auch Kindern zu ermöglichen, Filme zu machen, Musik aufzunehmen und den PC nicht nur zum Spielen, sondern auch als Arbeitsstation für eigene Projekte zu nutzen, ist das tiefe Bedürfnis, ihnen die Augen dafür zu öffnen, wie Filme, Musik und Spiele entstehen. "Manche Kinder waren richtig enttäuscht, als sie merkten, wie sehr die Stimme eines Pop-Stars von der PC-Technik geprägt sein kann", sagt er. "Und fast allen wurde erst bei der Produktion von eigenen Dokumentarfilmen klar, dass man als Betrachter nicht ´die Wirklichkeit' sieht, sondern nur den einen Ausschnitt, den die Macher festlegen."
Diesen medienkritischen Blick drängt er den Kindern nicht auf - überhaupt ist Wolfgang Schuch ein ganz ruhiger, zurückhaltender Lehrer - er ergibt sich von allein. "Ich will, dass sie die Technik handhaben und sich verfügbar machen können", sagt er. Und so schickt er die Schüler, die an den Medienwochen teilnehmen, zunächst einfach mit Kamera und Mikro auf die Straße, wo sie Interviews aufnehmen, die nachher gemeinsam besprochen werden. Dann können sie, bereits viel erfahrener, eigene Musikvideos produzieren, Filme über ihre Hobbys drehen oder Reportagen in Angriff nehmen. Wolfgang Schuch könnte übrigens ohne weiteres selbst im Zentrum eines Musikvideos stehen. Seit den 70er Jahren spielt er begeistert Dudelsack und die mittelalterliche Drehleier, zuerst in der Folkgruppe "Siebenpfeifer" und jetzt zusammen mit seiner Frau als Duo "Avanti Dilletanti", mit Auftritten auf Stadtfesten, privaten Feiern oder zum Beispiel der Speyerer "Kultu(o)rnacht". "Allerdings - von mir gibt es kein einziges Video und auch keine CD", sagt er. "Ich bin nach und nach im Umgang mit immer neuen Bearbeitungsprogrammen ein richtiger Perfektionist geworden. Ich könnte es gar nicht ertragen, dass unsere Musik für den Moment auf immer festgehalten wäre." Dieser hohe Anspruch gilt aber keinesfalls für die Kinder, die sich während der Medienwochen gerne selbst großartig in Szene setzen dürfen. Oft entstehen so Videos rund um kleine Sänger oder Pianisten, die dann stolz in der Familie herumgezeigt oder den Großeltern geschenkt werden, ohne dabei groß zu verraten, dass sie wohlwollend mit entsprechender Software bearbeitet wurden. "Das macht doch nichts!" meint Wolfgang Schuch lächelnd, "es ist sogar gut so. Gerade bei solchen eigenen Manipulationen begreifen die Kleinen, was für eine Täuschungsmacht in den Medien steckt." (cok/Fotos: cok)
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