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Hitzerekord 57 Grad: "Weinschmitts" schwitzen in Indien - Dreck und stinkender Verkehr - Blick auf schneebedeckte Berge - Elke und Louis nehmen Himalaya in Angriff - Pass bis zu 6.000 Meter hoch

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Kategorie: MENSCHEN
Veröffentlicht am: 13. June 2009 16:59 - 440 Hits

 Elke Weinsheimer und Louis Schmitt wollten nach 100 Tagen Radeltour durch Indien eigentlich ihre Halbzeit verkünden. Denn die nächsten 100 Tage hatten sie sich vorgenommen, bis zum Dach der Welt hoch zu radeln - einfach so. Doch es kam anders.

  Zur vermeintlichen Halbzeitfeier in Jaipur ließen sie sich erst mal richtig "volllaufen" - nicht mit Alkohol, was man von echten Pfälzer Weinkennern auch nicht erwartet, sondern mit viel kühlem, klaren Wasser. Wasser gehört unterwegs für die Weinschmitts nämlich zu den Luxusgütern. Was hatten sie seit ihrer Landung in Indien auch schon alles hinter sich gebracht: einige Magen-Darminfektionen, belegte Bronchien, Verdacht einer Lungenentzündung, verklebte und ausgetrockneten Nasenschleimhäute, verbrannte Unterarme und Nasenspitzen, entzündete Kopfhaut, aufgeplatzte Lippen, geschwollene Zungen, vereiterte Moskitostiche, kleinere Unfälle mit Prellungen und Hautabschürfungen und den Huftritt einer heiligen Kuh. Doch das alles konnten beide nicht davon abhalten, 2.189 Kilometer durch ein Indien der Extreme zu radeln. 

 Wie so eine Strapaze abläuft, schildert Louis: "Wir radeln über eine kleine Bergkette von nur 60 Kilometer, und da es keine Brücken gibt, mussten wir immer runter zum Fluss und auf der anderen Seite wieder hoch, an diesem Tag fast 1.000 Höhenmeter. Die ´Abstecher´ sind so steil, zirka 14 bis 18 Prozent, dass uns das Wasser nur so aus den Schuhen läuft. Ich bat den lieben Gott er möge uns doch eine schattenspendende Wolke schicken, er schickte uns aber einen neuen Hitzerekord von 54,8 Grad, zwei Tage später meinte er es ´noch besser´ mit uns, er erhöhte die Temperatur um drei Grad und schickte uns dazu noch einen heftigen Sandsturm. 

 Nun hatten Elke und ich aber die Schnauze voll. Die unglaubliche Hitze, nachts nicht unter 34 Grad, lauter und stinkender Verkehr, überall Dreck, Dreck und noch mal Dreck, wo wir hinschauten. Wir fassten einen Entschluss. Bestimmt sind wir noch keine Warmduscher oder Saunauntensitzer. Aber was zuviel ist, ist zuviel. Wir kauften uns ein Ticket und ab ging's - 700 Kilometer mit dem Zug nach Norden. Sozusagen von der Hitze in die Kälte, von der Wüste in die Berge, von einem Extrem ins andere.
Endlich der Himalaya, unsere Freude ist groß. Kaum zu glauben, dass wir im höchst gelegenen Bergmassiv der Welt sind.
 Unsere Muskeln in den Oberschenkel sind mittlerweile so gestählt, dass wir die Pässe zwischen drei- und fünftausend Meter in Angriff nehmen können. Wir waren aus extremer Hitze geflohen und blicken nun auf 4.000 Meter hohe schneebedeckte Berge. Sehen riesige Wasserfälle Berge herab stürzen, wie sie sich zu Sturzbächen und Flüssen formen, um in smaragdgrüne Seen zu münden. Wir fahren durch satte grüne Täler, radeln unter kilometerlange Pappelalleen, die gerade ihre Pollen wie Schneeflocken aus dem Astwerk schütteln, schlendern über Märkte mit exotischen Düften von Kardamon, Zimt und Safran, wo Verkaufsstände mit frischen Erdbeeren, Kirschen, Mangos und Granatäpfel überquellen. 

 Dennoch treiben wir uns in einer der gefährlichsten Ecken der Welt herum. Wir sind in Kaschmir und werden von einer Million Soldaten bewacht. Elke und ich haben es geschafft, vom nördlichsten Winkel Indiens nach Kaschmir zu radeln. Dazwischen lag unser erster 2.800 Meter hoher Pass. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was wohl noch alles auf uns zukommen wird. Wir verweilen in Srinagar am Lake Dal, der ein bisschen Ähnlichkeit mit dem Bodensee hat. Nur die Berge sind 2.000 Meter höher und auf dem See befinden sich Hausboote, die als Hotels dienen. Hier beginnt das Himalaya-Massiv mit unglaublicher Kulisse. Elke und ich treffen die Vorbereitungen für eine Überquerung nach Ladak. Falls nichts dazwischen kommt, wollen wir die 450 Kilometer und die drei Pässe über 4.000 Metern in zehn Tagen bewältigen. Leicht wird es nicht werden. In Leh, dem Zentrum, das auf einer Höhe von 3.700 Metern liegt, werden wir uns für zirka zehn Tage akklimatisieren, bevor wir die höchsten befahrbaren Pässe der Welt, von 5.000 bis 6.000 Metern, in Angriff nehmen.
 Da wir in den nächsten Wochen sicherlich keine oder nur sehr schwer eine Verbindung bekommen, wird es für die nächsten News etwas Zeit brauchen. Also nicht gleich eine Suchaktion starten", beruhigt Louis vorsorglich seine speyer-aktuell-Leser. Die CD mit den ersten aktuellen Himalaya-Bildern hängt noch irgendwo zwischen Indien und der Weinstraße, schreibt er. (els /Fotos: Weinschmitts)

Weitere Infos unter www.weinschmitt.de


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