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Abenteuer der "Weinschmitts": Pfälzische Rad-Welten-Bummler im Himalaya - Elkes spektakulärer Abgang - Singende Mönche - Louis klappt zusammen

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Kategorie: MENSCHEN
Veröffentlicht am: 05. July 2009 01:04 - 545 Hits

   Noch fühlen sich die Weinschmitts in Kashmir ganz glücklich. In dem 3. 700 Meter hohen Verkehrszentrum Leh am Indus, zwischen Indien und Tibet haben sich Elke und Louis akklimatisiert und neue Kraft geschöpft. Auch haben sie wieder genügend Strom, um das Neueste nach Hause zu mailen. Nur die DVD mit den Fotos war auf dem Postweg durch Hitze und Transport krumm geworden. Die eiernde Metallscheibe gab die Bilder nicht frei und verklemmte sich auch noch im Laptop. Louis musste noch mal eine DVD brennen.
 Die geschilderten Strapazen und Herausforderungen der beiden sind haarsträubend. Mit ihren Gepäckrädern wollen sie sogar den höchsten Pass der Welt erklimmen. Doch das soll Louis selbst erzählen.
Foto: Immer wieder staunen muss Louis angesichts der Fülle der Gewürze auf den Märkten. 
  
 "Nach 102 Kilometern finden wir ein günstiges Motel mit einem guten vegetarischen Restaurant. Da wir die Fahrräder nicht mit aufs Zimmer nehmen dürfen, wird extra der hauseigene Wachmann mit der großen Aufgabe, die Fahrräder zu bewachen, bedacht; was er sichtlich als eine Herausforderung annimmt. Erst holt er eine Plastikplane und packt damit unsere Räder ein. Danach werden sie mit dicken Seilen verschnürt, so als wollte er sie mit der Post verschicken. Nachdem er sich einen alten verfilzten Sessel geholt hat, stellt er ihn vor unsere Räder, setzt sich hinein und meint lachend: "Nun ist alles sicher".
 Am nächsten Morgen stehen wir um sechs Uhr vor unserem tief schlafenden Wachmann. Nachdem wir ihn mit Mühe geweckt haben, packt er in aller Ruhe unsere Räder aus. Mit Schrecken sehen wir ein riesiges Loch im linken Vorderrad-Pack, Elke hatte versehentlich darin eine vertrocknete Brötchen vergessen und darüber freuten sich offensichtlich die Ratten. Na ja, denke ich, ein bisschen Schwund ist immer. Mit meiner schlechtesten Unterhose - Elke meint, du hast sowieso zu viele dabei - wird das Loch gestopft und wir fahren gutgelaunt der Sonne entgegen.

 Auf dem Weg von Kaschmir nach Ladakh passiert es. Bei Elkes Fahrrad springt das rechte Vorderrad-Pack auf einer Seite aus der Verankerung - eigentlich kein Problem. Doch Elke hält nicht extra an, da sie annimmt, das Pack während der Fahrt mit dem Fuß einhängen zu können. Bei dem Versuch das Pack anzuheben, rutscht Elke mit dem rechten Fuß ab und gerät bei voller Fahrt ins Vorderrad. Dann geht alles blitzschnell. Sie reißt den Lenker zur Fahrbahnmitte und knallt voller Wucht ungebremst auf den Straßenbelag. Dabei öffnet sich die Lenkertasche und verteilt den gesamten Inhalt auf beide Fahrbahnen. 

 Mein erster Blick geht in den Rückspiegel, von wo aus ich zwei nebeneinander heranfahrende LKWs auf uns zukommen sehe. Sofort reiße auch ich mein Fahrrad herum und lege es direkt auf die Mitte beider Fahrbahnen, springe ab und laufe mit erhobenen Armen den LKWs entgegen, die sofort die Situation erkannt haben. Sie verlangsamen ihre Geschwindigkeit und bringen den gesamten Highway-Verkehr zum Erliegen. 

 Als ich mich herumdrehe, sehe ich Elke schon wieder auf den Beinen. Mit aller Kraft versucht sie, das Fahrrad auf den Seitenstreifen zu ziehen. Sie ist sichtlich nervös. Ich rede auf sie ein, um sie zu beruhigen. In kürzester Zeit haben sich einige Leute um uns herum gestellt, darunter auch ein Arzt, der sofort seine Hilfe anbietet. Elke beteuert ihm, ´es ist alles in Ordnung´, worauf sich die Versammlung wieder auflöst und die Lkws die Fahrbahnen wieder freigeben.
 Nun sitzen wir beide auf dem Seitenstreifen und schauen uns verdutzt an. Elke sagt: ´Das war aber knapp, ist gerade noch mal gut gegangen´. Ich muss schmunzeln und sage: ´Hat aber gut ausgesehen, das war ein richtig guter, spektakulären Abgang, wie in einem guten Action-Film´. Da kann auch Elke wieder lachen. 

 Dennoch, die ganze Sache sieht nicht gerade gut aus, drei Speichen sind aus dem Vorderrad herausgerissen und andere verbogen. Der dicke Zeh sowie der Fuß sehen zunächst aus, als seien sie gebrochen. Nachdem die Schwellung zurückgegangen ist, stellten wir fest, dass es sich zum Glück nur um eine starke Prellung handelt. Noch zwei Tage zuvor hat Elke noch Radsandalen angehabt. Nicht auszudenken, was da passiert wäre. 

 Elke beißt die Zähne zusammen und fährt mit mir am nächsten Tag über unseren ersten 4.300 Meter hohen Pass. Nun steht eine weitere, die vielleicht größte Herausforderung unserer Weltreise auf dem Programm. Sonntags wollen Elke und ich von Leh aus nach Manali über einen Gebirgszug von 450 Kilometer radeln, dabei müssen wir fünf Pässe zwischen 5.300 und 3.900 Metern überwinden. Da es keine Dörfer gibt, werden wir bei den Nomaden auf dem Hochplateau campieren müssen. Mit etwas Glück, gutem Rückenwind, nicht all zuviel Eis und Schnee, müssten wir es in zirka zehn Tagen schaffen. 

 Alle Schwellungen sind verheilt und Elke ist wieder, Dank meiner intensiven Pflege, topfit.
 Am Morgen werde ich um fünf Uhr von den singenden Mönchen, hoch oben von der Gompa (Buddhistischer Tempel) aus dem Tiefschlaf gesungen. Ich schaue aus dem Fenster, alles ist noch grau in grau, die zartgrünen Blätter der Pappeln wiegen sich leise im Wind, alles sieht nach einem perfekten Tag aus. Ich koche heißes Wasser, um Elke mit einem duftenden Kaffee zu wecken. 

 Danach wird es höchste Zeit auf unsere Räder zu steigen, schnell werden noch die Packs mit etwas Proviant, genügend Wasser, warmer Kleidung und den Schlafsäcken, an mein Fahrrad gehängt. Wir wollen in das Nubra Tal, das umgeben ist von fünf- bis sechstausend Meter hohen Bergen. Um dort hinzukommen, müssen wir über den höchst befahrenen Pass der Erde, den Khardung La in 5.606 Meter Höhe radeln, eine Herausforderung der extremen und besonderen Art. Der Khardung La ist nur für zirka drei bis vier Monate im Jahr geöffnet und seit einer Woche befahrbar. 

 Elke und ich haben uns über den Zustand der Strecke und die Wetterverhältnisse genauestens erkundigt, doch die Angaben reichen von Katastrophal bis ´no Problem´. Das Wetter ist von Schlucht zu Schlucht so unterschiedlich, das es blitzschnell von Sonnenschein zu Eisregen und Schneestürmen wechseln kann. Eine Woche lang haben wir uns hier in Leh, auf einer Höhe von 3.600 Metern einigermaßen akklimatisiert. Jetzt hält uns nichts mehr, gemeinsam fühlen wir uns sehr stark und die letzten 3.000 Kilometer haben unsere Muskeln anschwellen lassen. 

 Mit Bernd, den wir damals unterwegs kennenlernten, hatten wir 1995 gemeinsam in Bolivien - auf dem Chakaltaya - einen Höhenrekord erradelt. Immerhin haben wir es mit dem Fahrrad auf 5.300 Meter geschafft, nun ist es an der Zeit, diesen Rekord zu brechen. Auf knapp 38 Kilometer müssen wir eine Höhe von über 2.000 Metern überwinden, was eigentlich eine lösbare Aufgabe ist. Aus Leh heraus geht es gleich mit einem knackigen Stich vier Kilometer zur Hauptstraße. Elke radelt sehr kraftvoll voraus und ich habe alle Mühe, an ihr dran zu bleiben. Nach fünf Kilometern erreichen wir den ersten Militärposten, der unsere Genehmigung für das Nubra Tal kontrollieren soll. Er hat es sich in der Morgensonne bequem gemacht und schlummert friedlich vor sich hin und da wir ihn nicht wecken wollen, radeln wir einfach an ihm vorbei. 

 Noch radeln wir in einem saftig grünen Tal, die blühenden wilden Rosen schimmern weiß und rosa in der Sonne. Hoch über mir in den Bergen erkenne ich die Serpentinen, die blitzenden Autos und LKWs wirken wie Matchbox-Spielzeuge. Je höher wir kommen, desto größer werden meine Atembeschwerden, ständig habe ich das Gefühl, nicht genug Luft in die Lungen zu bekommen. Meine Kraft schwindet von Minute zu Minute, die dicken Oberschenkel scheinen wie ausgeleiertes Gummi. Ich versuche mich mental auf der Höhe zu halten, in dem ich mir immer wieder sage, du schaffst es´ - ´halte ja durch´. 

 Längst sind meine geschwollenen Lippen aufgeplatzt und jeder Schluck Wasser brennt auf der Zunge. Meine Klamotten sind klatschnass geschwitzt und vom Nacken her verspüre ich leichte Kopfschmerzen, die von einer Sekunde zur anderen heftiger werden. Elke fährt weiterhin ohne Anzeichen von Ermüdung voraus, ständig wartet sie auf mich und fragt mich nach meinem Befinden. Ich gebe mich stark und sage, dass alles in Ordnung ist, was sie mir natürlich nicht abnimmt. Nach 25 Kilometern ist es dann so weit, ich komme nicht mehr aufs Fahrrad, ich bin saft- und kraftlos, mein Herz rast, mein Kopf droht zu zerplatzen und ich bin total am Boden. Noch einmal schaue ich hoch zum Pass, der in etwa 1.000 Metern über mir in einer schneebedeckten Senke liegt. Mir wird klar, dass ich mich überschätzt habe. Alles in mir bricht zusammen, ich hocke da wie ein Häufchen Elend, mir wird schwarz vor den Augen. Ich fühle eine unendliche Leere, will nur noch eins: schlafen, einfach nur noch schlafen."
 Ob die beiden Fahrrad-Heroen es dennoch schaffen, über den höchst befahrenen Gipfel der Erde zu kommen, verrät Louis das nächste Mal. Die bisher erschienen Erlebnisse von Elke Weinsheimer und Louis Schmitt sind bei "speyer-aktuell" unter der Rubrik "Menschen" nachzulesen. Siehe auch
www.Weinschmitt.de (els/Fotos: Weinschmitts)
 


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