Sowohl das aktuelle Geschäftsklima als auch die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate haben sich in den meisten Branchen seit der letzten Umfrage im Frühsommer verbessert. Lediglich Einzel- und Kraftfahrzeug-Handel blicken weiterhin pessimistisch in die Zukunft. Damit mehren sich die Zeichen, dass die Pfälzer Wirtschaft langsam wieder Tritt fasst.
Allerdings hat die Wirtschafts- und Finanzkrise bei der Hälfte aller Betriebe deutliche Spuren bei den Unternehmensgewinnen hinterlassen. Die Industrie hat ihre Exportaussichten zum zweiten Mal in Folge nach oben korrigiert, bleibt aber dennoch deutlich hinter den vergangenen Jahren zurück. Die Investitionsneigung bleibt verhältnismäßig gering; am Arbeitsmarkt ist mit einer langsamen Stabilisierung der Lage zu rechnen. Der Gesamtklimaindex ist seit der letzten Umfrage von 83 auf 96 Punkte gestiegen. Bei einem Wert von 100 Punkten würden alle befragten Unternehmen sowohl ihre geschäftliche Lage als auch ihre Aussichten als befriedigend bewegen. Der Aufwärtstrend gilt für alle Teilindizes aus Industrie, Handel und Dienstleistungen. Der Dienstleistungsindex hat mit 110 Punkten als erster Sektor die "magische Grenze" von 100 Punkten übersprungen. Industrie Die Industrieunternehmen beurteilen ihre momentane geschäftliche Situation günstiger als im Frühsommer, allerdings etwas schwächer als der Durchschnitt der Gesamtwirtschaft. Mit 47 Prozent sprechen die meisten Industrieunternehmen (gesamt: ebenfalls 47 Prozent) von einer zufriedenstellenden Geschäftslage, allerdings nur 16 Prozent (gesamt: 23 Prozent) von einer guten Situation. Gleichzeitig liegen jedoch die Geschäftserwartungen in der Industrie mit 24 Prozent, die eine positive Entwicklung erwarten, und 57 Prozent, die von einer gleich bleibenden Entwicklung ausgehen, leicht über dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft. Die Verbesserung gegenüber dem Frühsommer beläuft sich auf neun beziehungsweise acht Prozentpunkte. Nur noch etwa halb so viele Industrieunternehmen wie im Frühsommer (19 Prozent gegenüber 36 Prozent) gehen von einem Abwärtstrend aus. Die Konsumgüter-Hersteller sind nach wie vor besonders optimistisch, deutlich skeptischer bleibt die Investitionsgüterindustrie, zu der auch die Automobil- und ihre Zulieferindustrie zählen. Die Baubranche profitiert zum Teil von den staatlichen Konjunkturpaketen. Sorgen bereiten eine mögliche Kreditklemme und starke Preisschwankungen auf den Rohstoffmärkten. Die Mehrheit der Industriebetriebe rechnet mit gleich bleibenden Exporten (47 Prozent gegenüber 36 Prozent im Frühsommer), 18 Prozent gegenüber 14 Prozent im Frühsommer rechnen mit einer stärkeren Auslandsnachfrage. Die Investitionen kommen nicht so recht in Schwung; der Fokus liegt nach wie vor auf der Ersatzbeschaffung und Rationalisierung. Allerdings ist die Bereitschaft der Investitions- und Konsumgüterbranche zur Investition in Produktinnovationen verhältnismäßig stark ausgeprägt (45 Prozent beziehungsweise 49 Prizent, Mehrfachnennungen möglich). Eine Entspannung am Arbeitsmarkt ist für die Industrie nicht in Sicht. Zwar wollen 55 Prozent ihren Beschäftigtenstand konstant halten, doch 40 Prozent können einen Arbeitsplatzabbau möglicherweise nicht verhindern. Handel Der Handel spürt die Auswirkungen der Wirtschaftskrise nach wie vor kaum, da niedrige Energie- und Lebensmittelpreise das verfügbare Einkommen der Verbraucher steigern und der befürchtete Anstieg der Arbeitslosigkeit durch das Instrument der Kurzarbeit (noch) nicht eingetreten ist. Hier besteht allerdings die Sorge, dass dieser Effekt demnächst noch eintreten könnte. Bei den Kraftfahrzeug-Händlern lässt die Nachfrage durch die Umweltprämie langsam nach; hier fürchten viele Unternehmen einen massiven Umsatzeinbruch. Schon heute klagen manche Betriebe über eine mangelhafte Auslastung im Service- und Reparaturbereich. Entsprechend sieht fast jedes zweite Handelsunternehmen die aktuelle Geschäftslage als befriedigend; jeweils ein Viertel betrachtet sie als gut beziehungsweise schlecht, wobei die Lage im Einzelhandel etwas schwächer bewertet wird. 46 Prozent der Händler sprechen von einem Gewinnrückgang gegenüber dem Vorjahr. Die Händler schätzen ihre Perspektiven zwar etwas besser ein als im Frühsommer, jedoch schwächer als der Durchschnitt aller Branchen. 43 Prozent erwarten einen gleich bleibenden Trend; 36 Prozent gehen von einer schwächeren Entwicklung aus. Während der Kraftfahrzeug-Handel mit einem massiven Einbruch rechnet und der Einzelhandel ebenfalls mit Sorge in die Zukunft blickt, zeigt sich der Großhandel überdurchschnittlich optimistisch. Die Investitionsneigung ist weiterhin recht schwach ausgeprägt (gleich bleibend 48 Prozent, höher zehn Prozent). Die Situation auf dem Arbeitsmarkt bleibt voraussichtlich stabil, wie sieben von zehn Unternehmen angeben. Dienstleistungen Der Konjunktureinbruch macht vor allem den Transportunternehmern zu schaffen. Hier kommen hoher Wettbewerbsdruck durch Großunternehmen, geringeres Ladungsaufkommen und eine immer schlechtere Zahlungsmoral zusammen. Die meisten Kreditinstitute sind recht zufrieden. Während die Kreditnachfrage bei den Unternehmen eher verhalten ist, scheint der private Wohnungsbau wieder anzuziehen. Bei den unternehmensnahen Dienstleistern sind die Auftragsbücher gut gefüllt, lediglich die EDV-Dienstleister klagen über eine geringe Investitionsbereitschaft ihrer Kunden. Nachdem die Dienstleister das Geschäftsklima im Frühsommer schwächer bewertet hatten als zu Jahresbeginn, hat sich ihre Lage nun wieder verbessert. Im Vergleich zum Durchschnitt aller Branchen sprechen nun überdurchschnittliche 35 Prozent von einer guten Lage, 46 Prozent von einer zufriedenstellenden. Die Gewinne haben sich sehr unterschiedlich entwickelt mit relativ starken Ausschlägen nach unten (39 Prozent) und oben (35 Prozent). Die Geschäftsaussichten haben sich leicht aufgehellt; sechs von zehn Dienstleistern erwarten einen konstanten Konjunkturverlauf und jetzt 21 Prozent (18 Prozent im Frühsommer) gehen von einer Verbesserung aus. Insbesondere die Immobilienwirtschaft ist optimistisch. Einige Dienstleister haben ihre Investitionsplanungen nach oben korrigiert (26 Prozent wollen mehr investieren, im Frühsommer waren es 14 Prozent); zugleich wollen 23 Prozent Unternehmen (42 Prozent) weniger investieren. Hauptinvestitionsgrund ist die Ersatzbeschaffung. Die Beschäftigungssituation hat sich ebenfalls verbessert; nun planen 59 Prozent (54 Prozent im Frühsommer), ihren Beschäftigtenstand konstant zu halten, 16 Prozent (zwölf Prozent) denken über Neueinstellungen nach. Der Konjunkturbericht der IHK Pfalz beruht auf der regelmäßigen Befragung von rund 1.800 Unternehmen, überwiegend Handelsregister-Firmen aus den Wirtschaftssektoren Industrie, Handel und Dienstleistungen. Sie repräsentieren knapp 70 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Pfalz. Die Ergebnisse sind nach Beschäftigtengrößenklassen gewichtet. Die Konjunkturberichte der IHK Pfalz finden Sie unter www.pfalz.ihk24.de, Dokument-Nr. 417. (spa)
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