Am Sonntag, 18. Oktober, sind wieder unter Leitung von Bernhard Glaß Feldornithologen im EU-Vogelschutzgebiet am Berghäuser Altrhein unterwegs, um im Rahmen der internationalen Wasservogelzählung Bestandserhebungen durchzuführen. Der Altrhein gehört zu einem in Deutschland aus hunderten von Beobachtungsstellen bestehenden Zählnetz, an dem jeweils in der Monatsmitte von September bis April alle Wasservögel erfasst werden.
In Rheinland-Pfalz wird die internationale Wasservogelzählung von der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (GNOR) koordiniert. Der seenartige Abschnitt des Berghäuser Altrheins ist avifaunistisch besonders bedeutsam. Hier befindet sich eines der wichtigsten Rast- und Überwinterungsgebiete für Wasservögel in Rheinland-Pfalz. Leider ging im nördlichen Altrheinbogen mit der Ausbaggerung des sogenannte „Pfälzer Wattenmeeres“ Anfang der 1990 Jahre einer der wichtigsten Rastplätze für Watvögel im Land verloren. In diesem Bereich befand sich die ehemals größte zusammenhängende Schlickfläche zwischen französischer Grenze und Mainz. Besonders im Winter sowie während des Frühjahrs- und Herbstzuges suchen zahlreiche Wasservogelarten den Berghäuser Altrhein als Rast- und Ruheplatz auf. Dann bevölkern zeitweilig viele hundert Vögel die Wasserfläche. Zu den am häufigsten festgestellten Wasservogelarten gehören Haubentaucher, Zwergtaucher, Graureiher, Höckerschwan, Schnatterente, Stockente, Tafelente, Reiherente, Schellente, Blesshuhn, Graugans, Kanadagans und Lachmöwe. Heute nur noch selten und in geringen Stückzahlen zu beobachten, sind z. B. die Watvogelarten (Limikolen) Fluss- und Sandregenpfeifer, Bruchwasserläufer, Alpenstrandläufer, Grün- und Rotschenkel, Dunkler Wasserläufer und Bekassine. Die Verarmung der Avifauna des Rheinauengebietes hat insbesondere bei der zuvor genannten Vogelgruppe ein besorgniserregendes Ausmaß angenommen. Ursache für die ungünstige Bestandsentwicklung ist zu einem erheblichen Teil die extreme künstliche Umgestaltung der Aue infolge übermäßiger menschlicher Nutzungsansprüche. Von den 480 ha Überflutungsaue zwischen Rheinhäuser Fähre und Eisbruchlache entfallen ca. 125 ha auf Baggerseen, die wegen ihrer Größe, Tiefe und Uferbeschaffenheit als naturentfremdet bezeichnet werden müssen. Die überwiegend steil abfallenden Ufer und der Gewässerboden sind weitgehend vegetationsfrei. Wo die Gewässer zu tief sind, können viele Wasservogelarten keine Nahrung mehr finden. Gewässer und Feuchtgebiete gehören weltweit zu den besonders gefährdeten Lebensräumen. Viele Arten der Wasservögel werden zudem immer noch bejagd, obwohl sie zu den am stärksten bedrohten Vogelgruppen zählen. Die internationale Wasservogelzählung möchte u. a. folgende Fragen klären: Wie viele Wasservögel ziehen durch Deutschland, rasten und überwintern hier? Wie entwickeln sich die Rastbestände? Welche Gewässer sind als Rastgebiete von internationaler Bedeutung? Wer mithelfen möchte diese und weitere Fragen zu be-antworten, möge sich am 18. Oktober um 8.00 Uhr an der Rheinhäuser Fähre einfinden. Wer keine oder geringe feldornithologische Vorkenntnisse besitzt, kann sich von den Aktiven zum Vogelzähler ausbilden lassen. Herzlich willkommen sind auch „Zaungäste“, die nur einmal oder gelegentlich an den Beobachtu-gen teilnehmen möchten. Der Weg führt entlang des Altrheins von der Rheinhäuser Fähre bis zum „Kuge-fang“, vorbei an dem „Kleinen Urwald“ auf Insel Horn, der voraussichtlich nächstes Jahr dem Flugplatzausbau geopfert wird. Eine gute Gelegenheit, den naturschutzfachlich wertvollsten Auwaldbestand zwischen Gemersheim und Speyer noch einmal in Augenschein zu nehmen, bevor man ihn zerstört. (wh/Foto: wh) Wasservogelzähltermine: 18.10.2009 15.11.2009 13.12.2009 17.01.2010 14.02.2010 14.03.2010 18.04.2010 Leichter zu merken: Zähltag ist normalerweise der Sonntag, der dem 15. des Monats am nächsten liegt.
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