Mehr Brände – weniger technische Hilfeleistungen – aber für die 44 Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises Bad Dürkheim war 2009 „außergewöhnlich ruhig“, wie Kreisfeuerwehrinspekteur Martin Lampert in Grünstadt bilanzierte. In der jährlichen Dienstbesprechung der Wehrleiter- und –führer im Kreis nannte er 1.303 Einsätze, deutlich weniger als der Durchschnittswert der letzten Jahren mit zirka 1.600 Einsätzen.
Dabei bestehe keinesfalls die Hoffnung, dass dies auch 2010 so bleibe: der Orkan „Xynthia“ habe die Wehren durch zahlreiche Sturmschäden schon sehr in Atem gehalten. Lambrechts Wehr am meisten beschäftigt Die technischen Hilfeleistungen vom Ölschaden im Haus bis hin zum schweren Lkw-Unfall auf der Autobahn, ne-ben dem Brandschutz bedeutsamste Aufgabe der Feuerwehr, verzeichnete einen Rückgang von 900 Einsätzen 2008 auf jetzt 650 Hilfeleistungen. Gebrannt hat es 2009 öfter als in den Vorjahren. „In diesem originären Aufgabenbereich hat die Feuerwehr ein riesengroßes Einsatzspektrum: vom Mülleimerbrand, der mit einer Kübelspritze zu löschen ist, bis hin zum Waldbrand, der mehrere Feuerwehreinheiten mit etlichen Großfahrzeugen manchmal tagelang herausfordert“, bilanzierte Lampert. So musste die Feuerwehren des Landkreises insgesamt 375 mal zu Bränden ausrücken, zehn Mal mehr als im Jahr zuvor. Die meisten Einsätze (246) meldet dabei die Feuerwehr Lambecht, gefolgt von Haßloch mit 205. Genau 171mal wurde die Wehr der Stadt Bad Dürkheim angefordert, 163 kommen die Feuerwehrleute der Verbandsgemeinde (VG) Hettenleidelheim. Die weitere Statistik: Verbandsgemeinde Deidesheim 143, Stadt Grünstadt 126, VG Freinsheim 114, VG Grünstadt-Land 84 und VG Wachenheim 46. Darüber hinaus mussten die Feuerwehren noch 120-mal bei sonstigen Ereignissen tätig werden. Lampert beklagte auch wieder 158 Fehleinsätze, oft ausgelöst durch Brandmeldeanlagen – „deutlich weniger, aber immer noch zu viel, wenn man bedenkt, dass in jedem Fall ehrenamtliche Kräfte in ihrer Freizeit oder vom Arbeitsplatz weg nutzlos ausrücken und sich in Gefahr begeben“. Zur Bewältigung der vielfältigen Aufgaben standen 169 Feuerwehrfahrzeuge zur Verfügung, neun weniger als 2008, was auf die Einführung der neuen Fahrzeuggeneration zurückzuführen sei. Diese lasse Kosteneinsparungen zu durch die Beschaffung von universell einsetzbaren Fahrzeugen, die sowohl zur Brandbekämpfung als auch für die technische Hilfe verwendet werden. Frauenquoten in den Wehren steigt Die Frauenquote in den Feuerwehren des Landkreises Bad Dürkheim steige: Von 2007 mit gerade 56 Frauen (4,6 Prozent) über 2008 mit bereits 65 Damen (5,2 Prozent) waren es im abgelaufenen Jahr schon 78 (6,4 Prozent aller 1.221 aktiven Wehrangehörigen). Martin Lampert appellierte an die Mitbürgerinnen, sich zu bewerben. „Ihr werdet dort gebraucht und vor allem auch respektiert.“ Das Landesbrandschutzgesetz und die in den letzten Jahren gebauten modernen Feuerwehrhäuser sicherten die Gleichstellung von Mann und Frau. Neben den Jugendfeuerwehren stecke in der Bereitschaft von Frauen für den Feuerwehrdienst ein hohes Potenzial für die zukünftige personelle Ausstattung. „Denn: Fahrzeuge und Geräte kann man kaufen - ehrenamtliche, freiwillige Feuerwehrleute muss man werben und für den zwar interessanten, aber nicht immer ungefährlichen Job begeistern.“ „Sattelmühle“ hat als Bildungszentrum ausgedient Die Kreisverwaltung organisierte insgesamt 25 Lehrgänge und Seminare zur Aus- und Fortbildung der Wehrangehörigen. Vermutlich zum letzten Mal kamen die 393 Männer und Frauen ins Feuerwehrschulungsheim Sattelmühle in Esthal. Künftig soll die Weiterbildung dezentral in den größeren Feuerwehrhäusern des Landkreises durchgeführt werden. Der Förderkreis der Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Bad Dürkheim hat beschlossen, die „Sattelmühle“, mehr als 30 Jahre zentrale Ausbildungsstätte der Feuerwehren, an den Kreis zurückzugeben. Die Einführung des digitalen Sprech- und Datenfunks im Land sei im Zeitplan, informierte Lampert. Mit der Vorstufe zum offiziellen Betrieb sei im südlichen Rheinland-Pfalz im 3. Quartal 2012 zu rechnen. Die ersten Handfunkgeräte sollten zu Ausbildungszwecken bereits im Haushaltsjahr 2011, die weiteren Endgeräte ab 2012 beschafft werden. Das Land fördert den Ankauf der Endgeräte, also der Handfunkgeräte sowie der Fahrzeug- und Festeinbaugeräte mit 50 % im Rahmen einer landesweiten Beschaffungsaktion, die jetzt im Januar angelaufen ist. Im Landkreis 31 Jugendfeuerwehren Im Landkreis Bad Dürkheim bestehen Zurzeit 31 Jugendfeuerwehren mit 326 Jugendlichen, 53 Mädchen 273 Jun-gen, die an das Feuerwehrwesen herangeführt werden. Dies gab der Leiter der Jugendwehren, Michael Kempter (Neidenfels) bekannt. 2009 wurden 43 (9 Mädchen) in den aktiven Dienst übernommen. Die 112 Betreuerinnen und Betreuer verbrachten 153 Tage und Nächte in zweitätgigen Freizeiten mit den Jugendlichen, die Statstik weist auch 7321 Stunden an Sitzungen und Seminaren aus. Sehr aktiv, so Kempter, sei das Jugendforum, das Patricia Rizzo (Deidesheim) und Maximilian Brucker (Nei-denfels) leiten. Ein großes Jugendlager werde für Ende Mai geplant (2009 nahmen in Esthal rund 350 junge Men-schen teil). In diesem Jahr haben fünf Jugendwehren Jubiläum: die in Deidesheim, Weisenheim am Sand und Ellerstadt werden 20 Jahre alt, in Gerolsheim und Neidenfels wird das Zehnjährige gefeiert. „Schlagkraft durch Kameradschaft“ In ihren Dankesworten meinte Landrätin Sabine Röhl, die Schlagkraft der Feuerwehr sei nur durch ständige Übung, durch gute technische Ausstattung und durch Zusammen-halt und Kameradschaft innerhalb der Gruppen zu halten. Sie zeichnete 7 Feuerwehrmänner für 35 Jahre Zugehörigkeit zu einer Wehr mit dem Ehrenzeichen in Gold aus: Oberbrandmeister Bernd Rheinwald (Meckenheim), Hauptfeuerwehrmann Gerhard Weber (Bobenheim am Berg), Löschmeister Ronald Prokle (Großkarlbach), Hauptfeuerwehrmann Reinhold Mohr (Bockenheim-Kindenheim), Wehrführer Georg Blum (Neuleiningen), Löschmeister Hans Schreiner (Carlsberg) sowie Löschmeister Wolfgang Nohl (Lambrecht). Das Goldene Abzeichen m Bande erhielt Wehrleiter Arno Bitz aus Freinsheim (siehe eigenen Bericht). Außerdem wurden die neuen Kreisausbilder bestellt. Das sind für Atemschutz Alexander Ott und Andreas Schwürzinger (beide Haßloch) und Stefan Issler (Wachenheim) sowie Thomas Wolf (Bad Dürkheim) für Funkunterricht. Verabschiedet aus der Führungsunterstützungsgruppe (FÜG) wurde Marco Haag (Wachenheim), neu in der FÜG ist Kai Bühler (Erolzheim). Erster Kreisbeigeordneter Erhard Freunscht, in dessen Geschäftsbereich die Gefahrenabwehr fällt, erinnerte an die Weiterentwicklung der Konzeption für den überörtli-chen Brandschutz. In diesem Rahmen konnte 2009 ein vom Kreis beschafftes Tanklöschfahrzeug (TLF) an die Feuerwehr Grünstadt übergeben werden (Kreisanteil bei den Kosten: rund 156.000 Euro). Ein gleiches TFL soll 2010 die Stadt Bad Dürkheim erhalten. In die VG Hettenleidelheim kam eine neue Drehleiter (Kreisförderung 83.000 Euro). Außerdem erwähnte er die neuen Fahrzeuge für den Krankentransport und die Leitenden Notärzte. Weitere Fahrzeuge sollen 2010 für die VG Hettenleidelheim und die Gemeinde Haßloch (u.a. zum Einsatz auf der Autobahn) sowie für Grünstadt angeschafft werden. „Es ist das Bestreben des Kreises, die Wehren als Kernstück der zivilen Gefahrenabwehr sinnvoll und nachhaltig zu unterstützen“, sagte Freunscht. Grünstadts Bürgermeister Klaus Wagner erinnerte an das Jubiläum seiner Wehr, die in diesem Jahr 150 Jahre besteht. Er unterstrich die gute Kooperation mit dem Landkreis und die Zusammenarbeit mit der VG Grünstadt-Land. „Wir können mit Stolz auf die Wehren blicken“, meinte er auch zu den gerade abgeschlossenen Einsätzen beim Orkan. (spa)
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