Das "Menschenrecht auf Bildung" steht im Mittelpunkt der diesjährigen Fastenaktion des bischöflichen Hilfswerks Misereor. Wie notwendig "Bildung" gerade für junge Menschen in den Entwicklungsländern ist, das machte Francis Atul Sarker, Caritas-Direktor in Bangladeschs drittgrößter Stadt Khulna, bei einem Pressegespräch in Speyer deutlich.
"Wenn junge Leute nicht über eine Ausbildung verfügen, werden sie sehr leicht von politischen Kräften missbraucht." Sarker, dessen Arbeit seit vielen Jahren von Misereor gefördert wird, informierte in den vergangenen Tagen in Pfarrgemeinden des Bistums Speyer über die Situation in seiner Heimat. 97 Prozent der Kinder in Bangladesch werden eingeschult, doch rund die Hälfte verlässt die Schule nach fünf Jahren ohne Abschluss. "Die jungen Leute haben somit keine Chance, sich weiterzuentwickeln und ihren Lebensunterhalt zu verdienen", betonte Sarker in Speyer. Seit 1992 versucht die katholische Kirche in dem südasiatischen Land, jungen Leuten mit "mobilen Handwerksschulen" besonders in ländlichen Regionen eine Zukunftsperspektive zu geben. "Die Schulen aus Wellblecheinheiten können einfach auf den Lkw geladen und vor Ort aufgebaut werden", erklärte der Caritas-Direktor. In Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden werden sechsmonatige Kurse in unterschiedlichen Fachrichtungen angeboten, etwa für angehende Elektriker, Schweißer, Schneiderinnen oder Geflügelzüchter. Bisher konnten weit über 13 000 junge Leute ausgebildet werden. Nach Angaben Sarkers finden anschließend fast 80 Prozent der Absolventen eine Arbeit. "Das Projekt funktioniert wirklich gut. Wir haben bereits Anfragen aus anderen Ländern, auch aus Afrika. Dort könnte die Idee der mobilen Handwerksschulen ebenfalls Schule machen." Die Zugehörigkeit zu einer Religion oder Kaste spielt bei der Ausbildung keine Rolle. In dem zu über 90 Prozent muslimischen Land, in dem der Bevölkerungsanteil der Christen nur 0,3 Prozent beträgt, sind die meisten der Lehrlinge in den "mobilen Handwerksschulen" Muslime. Allerdings legt die katholische Kirche besonderen Wert darauf, die Minderheit der Ureinwohner Bangladeschs und Frauen zu fördern. Die Option für die Armen und Benachteiligten benannte Sarker als eine wichtige Leitlinie der Werteerziehung, die verbindlich mit zum Ausbildungsprogramm zählt. Ebenso selbstverständlich sei es, dass der Unterricht am Morgen mit einem interreligiösen Gebet beginnt. Trotz einiger Schwierigkeiten mit kleinen extremistischen Gruppen funktionieren die Zusammenarbeit mit den Muslimen insgesamt sehr gut. Sarker verwies darauf, dass auch 50 Prozent der Caritas-Mitarbeiter in Bangladesh Muslime seien. Misereor, das offizielle Entwicklungshilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, hat seit 1958 in der sogenannten Dritten Welt mehr als 90 000 Projekte mit rund fünf Milliarden Euro gefördert. Am 24./25. März findet in allen katholischen Gottesdiensten in Deutschland eine Kollekte für die Arbeit des Hilfswerks statt. (is) Weitere Informationen im Internet unter www.misereor.de.
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