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Mit Kirchenführern in der Pfalz unterwegs - Dem Geheimnis sakraler Räume auf der Spur

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Kategorie: FREIZEIT
Veröffentlicht am: 22. August 2007 17:47 - 775 Hits

Speyer/Kaiserslautern. Im Garten hinter der protestantischen Kirche von Gönnheim blühen die Spätsommerblumen, das spätbarocke Kirchlein wird von der Abendsonne in ein goldenes Licht getaucht. Es herrscht wohltuende Stille. „Lassen Sie die Atmosphäre auf sich wirken“, sagt Renate Kiltz-Schwalm. Sie ist Kirchenführerin in Gönnheim, und wenn sie über „ihre“ Martinskirche spricht, gerät sie geradezu ins Schwärmen:
  „Ich war schon in vielen Kirchen in Europa, aber ich habe noch keine erlebt, die so viel Harmonie ausstrahlt. Diese Kirche erzählt Geschichte und Geschichten.“
 Renate Kiltz-Schwalm kennt die Gönnheimer Kirche in- und auswendig. Kürzlich hat die 59-Jährige ihren „Kirchenführungsschein“ abgelegt, ein Zertifikat, das die Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft der Evangelischen Kirche der Pfalz den erfolgreichen Teilnehmern eines Kurses zum Kirchenführer ausstellt. Während der 75 Unterrichtsstunden hat sie sich viel mit Kirchenausstattung und Raumsprache sowie mit den spirituellen, architektonischen und kunsthistorischen Dimensionen eines Kirchenraumes befasst. Und sie hat die 1756 anstelle einer baufälligen Kapelle erbaute Gönnheimer Kirche von Grund auf kennen gelernt.
 Die Wirkung von Kirche und Spiritualität auf die Psyche des Menschen rückt zunehmend auch in den Fokus der Wissenschaft. Der Mensch sei nicht nur eine Ansammlung von Atomen und Molekülen, „ein Häufchen Materie und Mechanik“, sondern auch ein geistiges, ja spirituelles Wesen. „Was den Einfluss des Glaubens und der Spiritualität auf unsere Gesundheit betrifft, haben wir etwas verschlafen. Das wird jetzt aufgeholt“, meint (laut „Tagesspiegel“) der Berliner Diplom-Psychologe Michael Utsch, der sich wissenschaftlich mit dem Thema Gott, Glaube und Gesundheit befasst. Als ein „Zuhause für Körper und Seele“ empfindet auch Renate Kiltz-Schwalm Kirchenräume. Kirchenführungen seien deshalb ein guter Anlass, die Menschen damit wieder vertraut zu machen. Ihr Mann, Hans-Dieter Schwalm, ergänzt: „Viele Menschen kennen Kirche eigentlich gar nicht mehr als Ort ritueller Handlungen und spiritueller Bezüge. Das entbehren sie. Es fehlt ihnen etwas.“
 Der Informatikprofessor hat sich von seiner Frau zu dem Kirchenführer-Kurs anstiften lassen und führt jetzt durch die 1896 in einem der damaligen Zeit entsprechenden prunkvollen Stil erbaute protestantische Kirche von Ellerstadt. Im Verlauf der halbjährigen Ausbildung habe ihn das Thema „mit Haut und Haaren gepackt“, sagt Schwalm. Während seine Frau, die sich seit vielen Jahren im Dekanat Bad Dürkheim und in der protestantischen Gemeinde ihres Heimatortes Ellerstadt engagiert, bei ihren Führungen vor allem die spirituellen Dimensionen eines (Kirchen-)Raumes aufzeigen möchte, beginnt er seine Besichtigungstouren gerne mit einem Kirchen-Memory oder geht auf die sozial-historischen Hintergründe des Bauwerks ein. Letztendlich aber müsse sich der „Führungsstil“ der jeweiligen Gruppe anpassen, meint das Ehepaar. „Naturwissenschaftler werden anders durch Kirchenräume geleitet als Presbyter oder Historiker.“ Seinen ersten richtig großen „Auftritt“ in der Ellerstadter Kirche hat Kirchenführer Hans-Dieter Schwalm am Tag des Denkmals am Sonntag, 9. September. Renate Kiltz-Schwalm wünscht sich eine im Internet abrufbare Datenbank aller Kirchenführerinnen und Kirchenführer in Deutschland. Ihr Mann arbeitet zurzeit an einer Internetseite, auf der sich Kirchenführer präsentieren können.
 Über Kirchengeschichte haben die Teilnehmer des Kurses Kirchenführer der Evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft viel gelernt. Pfarrerin Petra Vollweiler-Freyer, Fachbereichsleiterin für Erwachsenenbildung, organisiert die Seminare, in die jeweils mit Schnupperkursen eingeführt wird, in Zusammenarbeit mit dem Forum Kunst und Kirche und dem Zentral-Archiv der Evangelischen Kirche der Pfalz. Zu den Unterrichtsinhalten zählen Archivrecherchen ebenso wie Kirchenpädagogik, Kirchenausstattung, Grundrisse und Verortungen, Musikalität des Raumes, Didaktik und Methodik und schließlich die eigene Erarbeitung der Präsentation. „Sakrale Bauten faszinieren viele Menschen“, sagt Vollweiler-Freyer, „aber was ist das Geheimnis dieser „heiligen“ Räume? Die Teilnehmer erkunden Stück für Stück die Kirchen, die sie sich ausgesucht haben. Der Kurs zum Kirchenführungsschein ist keine Trockenübung, sondern sehr spannend.“
 Drei Gruppen haben schon erfolgreich abgeschlossen, dabei sind Männer und Frauen gleichermaßen vertreten, die Berufe „bunt gemischt“, der Altersdurchschnitt reicht von 40 Jahren bis zum Seniorenalter. Jetzt strebt die Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft nach höheren Weihen für den Kurs Kirchenführungsschein und will sich für das Gütesiegel des Bundesverbandes für Kirchenpädagogik qualifizieren.
 Hinweis: Bei Fragen zum Kursangebot „Kirchenführungsschein“ wenden Sie sich bitte an Pfarrerin Petra Vollweiler-Freyer, Fachbereichsleiterin der Evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft, Postfach 2324, 67611 Kaiserslautern, E-Mail:
Petra.Vollweiler-Freyer@evkirchepfalz.de Sekretariat: renate.mueller@evkirchepfalz.de , Internet: www.evangelische-arbeitsstelle.de. Bei der Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft ist auch eine Übersicht über die Kirchenführerinnen und Kirchenführer in der Pfalz erhältlich, an die sich Interessierte direkt wenden können.
 Die Gönnheimer Kirche ist u.a. auch in einem druckfrisch vorliegenden Kirchenführer für die Pfalz und Saar-Pfalz enthalten, den die evangelische und die katholische Kirche in Zusammenarbeit mit dem ADAC herausgeben. Die Pressekonferenz hierzu ist am 29. August 2007 um 11 Uhr im ökum. Gemeindezentrum Pilgerpfad in Frankenthal. (lk)
 


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