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Drei Fragen an Kirchenpräsident Cherdron zur Welternährungskrise

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Kategorie: THEMEN DES LEBENS
Veröffentlicht am: 24. June 2008 09:17 - 291 Hits

Im August reist Kirchenpräsident Eberhard Cherdron nach Afrika als Gast der Partnerkirche Presbyterian Church of Ghana. Aus diesem Anlass äußerte sich Cherdron zur Welternährungskrise in einer Pressemitteilung.

Frage: Herr Kirchenpräsident, im August reisen Sie nach Afrika. Dort sind Sie Gast unserer Partnerkirche, der Presbyterian Church of Ghana (PCG). Ghana zählt zu den westafrikanischen Ländern, die von der Welternährungskrise mit betroffen sind. In Deutschland haben die Bauern Milch weg gekippt, um so ihren Hilferufen nach fairen Preisbedingungen Nachdruck zu verleihen. In Afrika revoltieren die Menschen aus Hunger – muss es da nicht zynisch erscheinen, dass es sich unsere Überflussgesellschaft leisten kann, Grundnahrungsmittel in den Abfluss zu schütten?

Antwort: Ohne Zweifel muss uns das sehr betroffen machen, dass landwirtschaftliche Betriebe die Milch lieber vernichten, als sie in den Handel zu geben. Ich kann hinter dieser verzweifelten Aktion eigentlich nur das Anliegen sehen, dass die Öffentlichkeit zukünftig deutlicher wahrnimmt, wie sich die Preisgestaltung in der Lebensmittelproduktion eigentlich vollzieht. Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Debatte darüber, wie viel den landwirtschaftlichen Betrieben, wie viel der Lebensmittelindustrie und wie viel dem Handel mit Lebensmitteln zukünftig zukommt. Als Konsumenten entscheiden wir da ganz wesentlich mit. Wir sollten uns deswegen auch an diesen Diskussionen intensiv beteiligen.

Frage: Vor der Landessynode haben Sie die protestantischen Wurzeln der sozialen Marktwirtschaft betont und sich für eine gesellschaftliche Teilhabe zur Überwindung der Armut ausgesprochen. Andererseits sind die Bauernproteste in Deutschland angesichts der sich abzeichnenden Welternährungskrise ethisch eher problematisch. Sollte sich die Kirche nicht nachdrücklicher auch in Wirtschaftspolitik einmischen?

Antwort: Ich sehe in den Protesten der Bauern nicht unbedingt eine ethisch problematische Strategie. Richtig ist aber sicherlich, dass wir in unserer evangelischen Kirche im Blick auf die wirtschaftsethischen Fragen und im Blick auf die Diskussion der Wirtschaftspolitik eher zurückhaltend sind. Ich bedauere, dass es in der Kirche so etwas wie eine Wirtschaftsfremdheit gibt. Themen der Wirtschaftsethik haben zurzeit in der Kirche nicht unbedingt Konjunktur. Wir sollten aber nicht nachlassen, uns in Gesprächen mit den an der Wirtschaft Beteiligten und mit den in der Politik für Wirtschaft Zuständigen einzubringen und unsere Forderungen auch zu erheben.

Frage: Noch immer hat die Mehrheit der ghanaischen Bevölkerung nur unzureichend Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung. Laut Missionarisch Ökumenischem Dienst geben staatliche Quellen in Ghana an, dass 31 Prozent der Bevölkerung in Armut lebt. Welche Themen werden Sie mit der afrikanischen Partnerkirche besprechen?

Antwort: Ich bin froh, dass in diesen Tagen eine Delegation aus pfälzischen Gemeinden im Rahmen der Gemeindepartnerschaften nach Ghana fährt. In dieser Delegation werden gerade auch die Fragen der Welternährungskrise und des Exports von Nahrungsmitteln nach Afrika diskutiert und erörtert. Da ich selbst zum ersten Mal zu unserer Partnerkirche nach Ghana fahre, wird die Begegnung vor allem dem Kennenlernen im Lande dienen. Ein Grundtenor dieser Reise wird sicherlich die ökumenische Teilhabe sein. Dabei geht es um Fragen des wirtschaftlichen Teilens genau so wie um Fragen, wie wir im Blick auf das geistliche und kirchliche Leben voneinander lernen können. Es ist das erste Mal, dass ein pfälzischer Kirchenpräsident die Partnerkirche in Ghana besucht. Das ist zugleich auch ein Zeichen der Würdigung unserer Partnerschaftsbeziehung. (spa)


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