Der Klimawandel macht auch vor Schifferstadt nicht halt. Vor kurzem entdeckten Naturfreunde in der "Grünen Lunge“ erstmalig das "frommste" Insekt der Tierwelt, die Gottesanbeterin. Musste man vor Jahren noch mindestens bis zum Kaiserstuhl in Südbaden fahren, um Vertreter dieser Fangschrecken-Art zu sehen, haben es sich die bizarr aussehenden Tiere mittlerweile bei uns vor der Haustür gemütlich gemacht. Der ehrenamtliche Umweltbeauftragte der Stadt Schifferstadt, Roland Meinhard, stellt das außergewöhnliche Tier vor. Foto: Diese zierlichen Insekten haben es sich inzwischen sogar in der Pfalz gemütlich gemacht.
Ursprünglich beschränkte sich das Vorkommen der Gottesanbeterinnen auf Südeuropa und einige Wärmeinseln in nördlicheren Gegenden. Wenn es das Klima aber gut mit ihnen meint, besiedeln sie eben auch ihnen zuvor nicht mögliche Gebiete wie in der Pfalz. Im Mai schlüpfen die winzigen Larven, Anfang August tauchen die ersten erwachsenen Tiere auf. Die Weibchen legen nach einer waghalsigen Begattung ihre zirka 150 Eier in einem schaumigen Gelege ab, in dem die zukünftigen Gottesanbeterinnen nach dem baldigen, vorprogrammierten Ableben ihrer Eltern auf das nächste Frühjahr warten. Die grün gefärbten, fingerlangen Tiere des Sommers erinnern in ihrer Lauerstellung an einen im Gebet versunkenen Menschen, wenn sie nach einer ausgedehnten Klettertour durchs Gebüsch an der äußersten Zweigspitze angekommen sind. Das kleine, fast herzförmige und sehr bewegliche Köpfchen folgt aufmerksam den vorüber fliegenden Insekten. Blitzschnell schlagen die dornenbewehrten Vorderbeine zu, wenn sich ein unvorsichtiges Beutetier nähert. Schnell ist es dann mit der "Frömmigkeit" vorbei, wenn die Dornen und Zähne in den Leib des geschnappten Tieres eindringen, das im nächsten Augenblick schon durch einen Genickbiss gelähmt und kampfunfähig gemacht wird. Doch nicht nur den Beutetieren geht es schnell an den "Kragen", sondern auch den kleineren Männchen, wenn sie nach dem vollzogenen Liebesakt nicht mehr als Traumprinz, sondern als Festmahl angesehen werden. (Foto: S. Filus)
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